Das Ausstellungszentrum "Gut Altenkamp" in Aschendorf präsentiert die Sammlung Bunte

Das Ausstellungszentrum "Gut Altenkamp" in Aschendorf präsentiert die Sammlung Bunte

Das Ausstellungszentrum „Gut Altenkamp“ in Aschendorf feiert ein Jubiläum: Aktuell wird dort die 50. Ausstellung präsentiert. Und dafür hat sich das Team um Marco Malorny vom Fachbereich Museen/Soziokultur der Stadt Papenburg etwas Besonderes ausgedacht. Unter dem Titel „Expressionistische Meisterwerke des 20. Jahrhunderts“ werden 160 Exponate der Sammlung Bunte gezeigt. Die Ausstellung wurde am 12. Juli 2020 eröffnet und ist noch
bis zum 25. Oktober 2020 zu besichtigen.

Mit der Präsentation der Sammlung wird die Bedeutung von „Gut Altenkamp“ als überregionales Ausstellungszentrum eindrucksvoll unterstrichen. Neben der Qualität der Exponate ergibt sich der besondere Reiz der Ausstellung dadurch, dass der Bielefelder Kunstsammler Prof. Dr. Hermann-Josef Bunte gebürtiger Papenburger ist. 1941 in der Kanalstadt geboren, entstammt er der Unternehmerfamilie Hermann Bunte. Die Firmengruppe wird heute erfolgreich von Lars Bunte geleitet, einem Neffen des Bielefelder Kunstsammlers. Auf Anfrage war Hermann-Josef Bunte sofort bereit, 160 Objekte seiner ca. 1.500 Exponate umfassenden Sammlung für die Ausstellung in seiner Heimatstadt zur Verfügung zu stellen.

Im Mittelpunkt der Präsentation in Aschendorf stehen Werke des Malers Hermann Stenner, den der Bielefelder Kunstsammler in besonderer Weise verehrt. Im Jahr 1974 begegnete Hermann Josef Bunte den Werken des Künstlers Stenner erstmalig im Rahmen einer Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld. Er war fasziniert von der künstlerischen Ausdruckskraft von Hermann Stenner, in besonderem Maße in Verbindung mit dessen Lebensschicksal. Der Bielefelder Künstler, geboren am 12. März 1891 als ältestes von acht Kindern des Malermeisters Hugo Stenner und seiner Frau Elise, wurde nur 23 Jahre alt, er starb am 05. Dezember 1914 im 1. Weltkrieg an der Ostfront. Die rasante künstlerische Entwicklung und Schaffensphase von Hermann Stenner umfasste nur fünf Jahre. Vom bekannten Stuttgarter Maler Willi Baumeister stammt das Zitat: „ Er (Hermann Stenner) wäre einer der besten Maler Deutschlands geworden.“

Nach dem Besuch der Kunstausstellung mit Werken von Stenner im Jahre 1974 setzte sich Hermann-Josef Bunte verstärkt mit dem Leben und künstlerischen Schaffen des Malers auseinander und kreierte fortan seine Sammlung mit den Arbeiten von Stenner. Von diesem Fokus aus richtete sich sein Blick nach und nach auch auf Lehrer und Kollegen des Künstlers, die ihn an den Orten seines Schaffens in Bielefeld und Stuttgart prägten. Entsprechend wuchs die Kunstsammlung von Hermann-Josef Bunte auf dem Hintergrund dieser Systematik stetig an. So sind neben Bildern von Hermann Stenner im Ausstellungszentrum „Gut Altenkamp“ auch Werke seiner Lehrer Christian Landenberger und Adolf Hölzel zu sehen, sowie Bilder von Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Johannes Itten als deren Schüler und von weiteren westfälischen Expressionisten wie Peter August Bockstiegel und Victor Tuxhorn.

Anna Lena Reich vom Fachbereich Museen/Soziokultur der Stadt Papenburg begleitet mich durch die Ausstellung. Im ersten Raum hängen Selbstportraits von Hermann Stenner sowie Portraits einzelner Familienangehöriger. Die Bilder tragen zum Teil noch deutliche spätimpressionistische Züge und entstanden 1909/10, als Stenner 18 Jahre alt war. In der Mitte des Raumes steht ein Selbstbildnis von Stenner, deutlich expressionistischer gearbeitet, aus dem Jahr 1912, das quasi auch als Logo der Ausstellung dient. Auf der Rückseite der Leinwand ist ein weiteres Bild zu sehen (eine Eifel-Landschaft), Stenner bemalte also auch die Rückseite. Ein Zeichen dafür, so erläutert mir Frau Reich, dass der Künstler finanziell nicht gut ausgestattet war. Die Werke im nächsten Raum repräsentieren die Zeit von Stenner in der Malklasse von Christian Landenberger. Es wird deutlich, dass der Abstraktionsgrad in seinen Bildern zunimmt. Großen Raum in der Ausstellung nimmt die Zeit ein, die Stenner in der Komponierklasse von Adolf Hölzel verbracht hat, der zu seinem wichtigsten Inspirator wird. Bilder von Hölzel sind ebenso ausgestellt wie Werke seiner anderen Schüler. Die Fortschrittlichkeit von Hölzel drückt sich auch darin aus, dass er Schülerinnen aufnahm.
Anna Lena Reich erzählt mir, dass das Gemälde „Die armen Buben“ von Luise Deicher erstmalig aus der Sammlung Bunte öffentlich ausgestellt wird. „Bei der Vorbereitung zur Ausstellung konnte ich erleben, dass Herr Bunte quasi seine gesamte Sammlung im Kopf präsent hat. Die Auswahl der 160 Exponate geschah daher recht schnell, obwohl man spüren konnte, dass es ihm immer wieder schwer fiel, auf bestimmte Bilder auch verzichten zu müssen“, berichtet mir Frau Reich aus der Planungsphase zur Ausstellung Sie ergänzt: „Für die Rahmungen ist überwiegend seine Frau verantwortlich.“ Renate Bunte, geb. Ohlms, ist ebenfalls gebürtige Papenburgerin.

Besondere Highlights in der Aschendorfer Ausstellung sind für mich auch in einer Vitrine ausgestellte Schmuckstücke, Originale des Silberschmieds Rudolf Feldmann, die auf Portraitgemälden des Malers Conrad Felixmüller zu sehen sind. Hermann-Josef Bunte hat die entsprechenden Silberarbeiten zusätzlich zu den Bildern erworben. Beeindruckend für mich auch ein sehr großformatiges Bild des Malers Victor Tuxhorn mit dem Titel „Portrait eines Arbeitslosen“. Ein bewusster Gegenentwurf zu vielen Portraitbildern von Königen und Mächtigen aus früheren Jahrhunderten, der die Menschenwürde unterstreicht. Die Bilder von Hermann Stenner, die im letzten Raum der Ausstellung zu sehen sind, haben kaum noch Gemeinsamkeiten mit seinen frühen Werken, obwohl nur fünf Jahre dazwischenliegen. Die Gemälde „Auferstehung“, „Damenbildnis mit Lilie“ oder auch „Grabrede“ sind technisch, farblich und thematisch völlig verschieden von seinen „Frühwerken“ fünf Jahre zuvor, sie wirken düster und melancholisch, nahezu vergeistigt. Der nahende Krieg, der Tod, Trauer und Leid mit sich bringen wird, scheint spürbar. Man ist geneigt, noch einmal in den ersten Raum zurück zu gehen.

Die Ausstellung auf „Gut Altenkamp“ ist in den ersten Wochen seit Eröffnung auf ein großes Echo gestoßen. „Unsere Erwartungen sind deutlich übertroffen worden“, so Anna Lena Reich. Natürlich müssen coronabedingt Auflagen eingehalten werden. Kleine Ausstellungsräume dürfen nur einzeln betreten werden, Gruppenführungen sind wegen der Abstandsregel vorerst nicht möglich und die Gesichtsmaske bleibt ständiger Begleiter beim Ausstellungsrundgang. Mein Fazit: Die Ausstellung auf „Gut Altenkamp“ wird dem Jubiläum voll und ganz gerecht. Den Eheleuten Hermann-Josef und Renate Bunte gebührt großer Dank!

Ein Blick voraus: In der ersten Jahreshälfte 2021 ist eine Ausstellung geplant in Verbindung mit der Sammlung Preußischer Kulturbesitz: „Kampf um Sichtbarkeit“ – Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919. Im 2. Halbjahr 2021 ist eine Ausstellung mit dem Titel „Retrospektive“ dem Industriemaler Hans Dieter Tylle gewidmet.

Text: Wichard Klein
Fotos: Ausstellungszentrum Gut Altenkamp,
Peter Klein, Mario Korte

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