Huldigung eines Expressionisten

Huldigung eines Expressionisten

»Kunstforum Hermann Stenner« und Ortwin-Goldbeck-Forum eröffnen Ende 2018
Von Burgit H ö r t t r i c h

B i e l e f e l d (WB). Die Namen stehen seit gestern fest: Die Villa Weber (ehemalige Handwerkskammer an der Obernstraße) heißt künftig »Kunstforum Hermann Stenner«. Der Neubau, der an Stelle der Erweiterung aus den 1960er Jahren entstehen soll, heißt Ortwin-Goldbeck-Forum. Einweihung soll Ende 2018 sein. Noch in diesem Monat soll mit den Umbauarbeiten in der Villa in eine »Galerie der Klassischen Moderne« begonnen werden. Die Goldbeck-Stiftung hatte einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, der im Januar entschieden wurde. Den Zuschlag, die Villa Weber um einen Neubau zu erweitern, bekam das Braunschweiger Büro »Dohle + Lohse«. Die Planungen seien gut vorangeschritten, erläuterte gestern Ortwin Goldbeck, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung. In diesem Monat solle der Bauantrag eingereicht werden.

»FINANZIELL VERTRETBAR«
Die Goldbeck-Stiftung hatte die Villa Weber nach dem Auszug der Handwerkskammer gekauft und erweitert den Komplex. Die Erträge sollen, so Goldbeck, »voll und ganz der Kunst zur Verfügung gestellt werden«. Der Betrieb des »Kunstforums Hermann Stenner« wird somit aus den Mieteinnahmen finanziert. Neben Goldbeck-Stiftung und Kuratorium tragen die gemeinnützige Betriebsgesellschaft mit Dr. Werner Efing als ehrenamtlichem Geschäftsführer, der Freundeskreis Hermann Stenner mit der Vorsitzenden Ricarda Osthus und der Förderkreis mit dem Vorsitzenden Björn Klaus Verantwortung für das künftige Museum. Herzstück: die Stenner-Sammlung von Prof. Dr. Hermann Bunte.
Ortwin Goldbeck sprach bei der Namensenthüllung von einer Gesamtinvestition von rund acht Millionen Euro: »Künstlerisch wertvoll und finanziell vertretbar.« Sein Wunsch ist es, den angrenzenden Grünzug mit in die »Museumsmeile« mit Kunsthalle, Kunstverein und eben »Kunstforum Hermann Stenner« als Fortsetzung des
Skulpturenparkes mit einzubeziehen. Und das ist auch der Wunsch von Architektin Susanne Crayen, zuständig für den Umbau der Villa in ein Museum. Gespräche mit der Stadt würden geführt. Umziehen müsste das Bismarck-Denkmal.

RUNDLAUF DURCHS MUSEUM
Goldbeck wies auf die inzwischen mehrjährige Vorlaufzeit hin, aber: »Es reicht eben nicht, die Maler durch die Villa zu schicken.« Investiert werden müssten in Sicherheit (unter anderem mit neuen Fenstern), Klimatisierung und Licht. Es müssten neue Träger eingezogen werden und das Dachgeschoss werde angehoben. Gedacht wird daran, dort neben Büros auch einen museumspädagogischen Bereich einzurichten. Entstehen solle ein Museum, das durch einen Rundlauf erschlossen werde, erläuterte Susanne Crayen. Durch den Anbau werde das Museum auch barrierefrei erschlossen.
Für Oberbürgermeister Pit Clausen
war gestern »ein Tag der Vorfreude« auf die Eröffnung von Stenner-Museum und Goldbeck-Forum. Die Bekanntmachung der Namen und der Beginn des Umbaus markiere einen Zwischenschritt. Clausen bedankte sich bei Ortwin Goldbeck und dessen Frau Hildegard für deren »großzügige Geste«: »Ein Geschenk an die Stadtgesellschaft – zumal der Museumsbetrieb durch das Goldbeck Forum finanziert wird.« Er erinnerte daran, dass eine Ausstellung in der Kunsthalle zum 800-jährigen Stadtjubiläum der Anstoß dazu gewesen sei, dem Bielefelder Künstler (1891-1914) ein eigenes Museum zu widmen. Hermann-Josef Bunte stellte für die Schau damals seine Stenner-Bilder zur Verfügung.
Goldbeck räumte ein, Stenner sei zwar einer der begabtesten Maler der jüngeren Generation des Expressionismus
gewesen, aber »keine Kunstlegende, international nicht bekannt«. Schließlich sei er nur 23 Jahre alt geworden. Den Bielefeldern wolle man mit dem Museum aber zeigen, welch bedeutender Künstler der Malersohn Hermann Stenner gewesen sei. Das Museum werde denn wohl auch mit einer großen Stenner-Ausstellung eröffnet. Zu sehen sein würden aber auch im Wechsel Ausstellungen mit Werken anderer Künstler der Klassischen Moderne – im Idealfall solcher, die zu Stenner und dessen Werk einen Bezug gehabt hätten.

Das ist geplant
Im »Kunstforum Hermann Stenner« entstehen rund 530 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Zusammen mit Büround Nebenflächen ist das Museum 1000 Quadratmeter groß. Der Anbau mit dem Lförmigen Grundriss verfügt über rund 1600 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Der Bauantrag soll in diesem Monat eingereicht werden. 237 Büros hatten sich für den Architektenwettbewerb interessiert, 15 wurden letztlich eingeladen. Sieger wurde das Büro »Dohle + Lohse« aus Braunschweig. Der Anbau bekommt eine Spezialfassade aus Metallprofilen mit dunkler Beschichtung. Die Villa Weber wurde um 1836 errichtet, 1930 von der Handwerkskammer erworben. 1968 kam der Anbau dazu, der für den Neubau abgerissen wird. Für das Museum steht als Dauerleihgabe die Sammlung Bunte mit etwa 950 Werken der Klassischen Moderne zur Verfügung. Geplant sind Wechselausstellungen und Öffnungszeiten, die sich an denen anderer Bielefelder Museen orientieren. Das Ausstellungsprogramm werde zur Zeit vorbereitet.

Die Kuratorin
Seit Monatsanfang ist Kunsthistorikerin Anna Maria Katz (36) als angestellte Kuratorin für den künstlerischen Bereich des Kunstforums Hermann Stenner zuständig. Katz studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Alte Geschichte in Münster. Sie arbeitete frei als Kunstvermittlerin am Museum Folkwang in Essen, aber auch an der Kunsthalle Bielefeld, absolvierte von 2012 bis 2014 ein wissenschaftliches Volontariat an der Staatsgalerie Stuttgart. Katz war anschließend unter anderem am Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt und am Museum für Kunst und Kultur in Münster tätig. Sie kuratierte Ausstellungen von Sophie Innmann, Isabella Gerstner und David Semper.

www.westfalen-blatt.de

Grafik: chora blau