Im Wohnhaus Hermann Stenners werden Arbeiten von Yael Niemeyer gezeigt

Im Wohnhaus Hermann Stenners werden Arbeiten von Yael Niemeyer gezeigt
Im Wohnhaus Hermann Stenners werden Arbeiten von Yael Niemeyer gezeigt

Aus "Neue Westfälische" vom 30.08.2016

"Abschied von den Niemeyer-Werken"
Ausstellung: Bevor die Bilder und Skulpturen Yael Niemeyers in eine Sammlung in den USA überführt werden, sind sie bis Anfang Oktober im Stennerhaus zu sehen
Von HEIKE SOMMERKAMP

Bielefeld. Zur Vernissage platzte das Hermann-Stenner­Haus aus allen Nähten: Mehr als 100 Interessierte drängten sich im ehemaligen Wohnhaus des 1914 gefallenen Bielefelder Nachimpressionisten, um Yael Niemeyer und ihr Werk live zu erleben.
Ins Auge fielen, über die Köpfe der Besucherschar hinweg, dennoch sofort die Bilder: Strahlende, vitale Farbflächen, die sich durch- und umeinander schlingen, die dank fein gezeichneter Strukturen und Details mit optischer Tiefe und Perspektive fesseln, welche sich von Fläche zu Fläche jedoch oftmals zu widersprechen scheinen.

Die ebenfalls sehenswerten metallenen Plastiken gingen, da tiefer positioniert, ein wenig in der Menge unter.
Die Künstlerin selbst, ehemalige Dozentin der FH-Bielefeld, Gründerin der Kunstsparte an der Musik- und Kunstschule (MuKu) Bielefeld und spätere MuKu-Leiterin, war umlagert von Freunden und Kollegen.
Siegfried Gniechwitz hat kürzlich eine Monografie über Yael Niemeyer beendet. In seinem Einführungsvortrag bewunderte er die "exklusiven, großen Bilder" und die seinerzeit innovativen Skulpturen, lobte die gedankliche Freiheit, den künstlerischen Eigensinn. Niemeyer lauschte interessiert - und korrigierte ihn mit erhobenem Zeigefinger: "Die abstrakte Kunst, wie sie von Amerika kam . . ." - "Nicht nur!"-"...ja,es gab auch andere Quellen: Bauhaus..." - "Genau!"
Bei Harfenmusik, Charlotte Michels von der Musik- und Kunstschule spielte ein Prélude von Marcel Tournier, wandten sich die Gäste dann Sekt und Häppchen zu. Und natürlich den in den lichtdurchfluteten, mit ihren Holzböden und Stuckdecken eine heimelige Eleganz ausstrahlenden Räumen positionierten Kunstwerken. Es wäre zweifellos lohnend, in den nächsten Wochen einmal wiederzukommen, um Werk und Räumlichkeiten in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

  • Das Hermann-Stenner-Haus befindet sich in der August­ Schröder-Straße 12. Es öffnet Do/Fr von 17 bis 19 Uhr, Sa 16-19 Uhr und So von 11-19 Uhr. Yael Niemeyers Werke sind dort noch bis 7. Oktober zu sehen.

Aus "Westfalen-Blatt" vom 27./28.08.2016:

Die Freiheit · nehme ich mir<<
Die Künstlerin Yael Niemeyer: Rückschau in Bildern und Skulpturen

Bielefeld (bp). Ein Abschied vom Werk Yael Niemeyers ist die Ausstellung, die am Freitag im Elternhaus des Malers Hermann Stenner (1891-1914) an der August­Schröder-Straße 12 eröffnet wurde. Denn die Bilder und Skulpturen finden eine neue Heimat in einer Sammlung in Kalifornien, USA.
Yael Niemeyer ist Malerin und Bildhauerin, machte sich in Bielefeld einen Namen als langjährige Leiterin der Sparte· Kunst an der Musik- und Kunstschule (sie konzeptionierte die Sparte überhaupt erst 1981), zudem war sie von 2004 bis 2008 Direktorin der MuKu.
Als Künstlerin arbeitete sie in ihren Ateliers in Boston, Montblanc und Bielefeld. Bilder und Skulpturen von Yael Niemeyer wurden vielfach ausgestellt - nicht nur in Bielefeld, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Rio de Janeiro, New York, Washington, Cambridge.
Wie engagiert sie während ihrer Zeit an der Musik- und Kunstschule war, bewies nicht zuletzt der Andrang zur Vernissage ihrer Ausstellung.
Gekommen waren unter anderem Kulturdezernent Dr. Udo Witthaus, Kulturamtsleiterin Brigitte Brand, Dr. Jutta Hülsewig­Johnen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, Prof. Andreas Beaugrand (Fachhochschule für Gestaltung), der frühere Theater­Dramaturg Alexander Gruber und BfB-Vorsitzender Rainer Ludwig und natürlich ihr Nachfolger an der Musik- und Kunstschule, Direktor Johannes Strzyzewsky. Außerdem waren auch ehemalige Schüler unter den Gästen der Vernissage.
Eine Einführung in die Ausstellung gab der Kunsthistoriker Dr. Siegfried Gnichwitz, der Anfang des Jahres eine umfangreiche Monographie über Yael Niemeyer vorgelegt hat. Die trägt den programmatischen Titel »Die Freiheit nehme ich mir«.
Gezeigt werden Skulpturen und großformatige Bilder, die durch ihre leuchtenden Farben schon beim ersten Anblick überzeugen. Die Acrylwerke auf Leinwand tragen Titel wie »An American Dream«, »Hidden Secrets«, »Wall Fragments« oder »Vivaldi Concerto D Maggiore«. Dass es eine letzte Gelegenheit ist, Yaels Bilder zu sehen, stimmte viele Besucher nachdenklich. Dass die Sammlung aber eine neue Heimat in angemessenem Rahmen findet, fanden sie wiederum tröstlich.
Götz Keitel, Großneffe des Malers Hermann Stenner, sagte, dass die Ausstellung eigentlich im geplanten Stenner-Museum, der ehemaligen Handwerkskammer, geplant gewesen sei. Weil das aber nicht möglich war, sind die Arbeiten von Yael Niemeyer, 1942 in Berlin geboren, jetzt am Sitz des Hermann-Stenner-Freundeskreises zu sehen. In das Haus sei Hermann Stenner als Siebenjähriger mit seiner Familie eingezogen, so Keitel.
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 7. Oktober. Öffnungszeiten sind donnerstags und freitags jeweils von 17 bis 19 Uhr, samstags von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 19 Uhr.